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buntklicker.de

das Blog von Martin Ibert: Merkwürdiges, Banales und Persönliches aus Deutschlands einziger Stadt

zum Nachdenken

05.04.2012: Ja. Und?

Günter Grass ein ein kritisches Gedicht über Israel geschrieben, und alle flippen aus. Kann mir mal jemand erklären, warum?

Wer das Gedicht noch nicht gelesen hat, kann das bei der Süddeutschen nachholen, und sollte das auch ruhig tun.

Ich bin ja selber ein Nachkriegskind und zucke bei Kritik an Israel genauso instinktiv zusammen wie die meisten anderen Leute. Aber ich kann hier keine verurteilenswürdige Israelkritik erkennen.

Ein paar Sachen sind für mich völlig klar, und um Mißverständnisse zu vermeiden, zähle ich sie hier nochmal auf:

Ich verstehe den Wunsch Israels, durch Bereithaltung einer niemals erklärten nuklearen Verteidigungsmacht eventuelle potentielle Angreifer auf Distanz zu halten. Aber ein Erstschlag gegen den Iran, dessen Atomwaffenprogramm ungefähr so sicher bewiesen ist wie der Besitz von Massenvernichtungswaffen durch das Regime von Saddam Hussein, wäre absolut unverzeihlich. Und etwas Anderes hat Grass doch eigentlich auch nicht gesagt?

19.05.2011: fünfeinhalb zu drei

Der geständige Wettbetrüger Ante Šapina wurde zu weiteren fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. (Nachdem er ja vorher bereits aus ähnlichen Gründen zu knapp drei Jahren Haft verurteilt worden war.)

Was hat er angestellt? Er hat Fußballspiele manipuliert, in dem er Spieler dafür bezahlt hat, zu verlieren, und beachtliche Summen auf den Ausgang dieser Spiele gesetzt. Wer wurde geschädigt? Also zuerst einmal Menschen, die Geld – hoffentlich welches, das zu verlieren sie sich leisten können – auf ehrliche Fußballspiele setzen, in der Hoffnung, zu gewinnen; und natürlich auch die Zuschauer und die sonstigen Beteiligten, deren Hoffnung auf ehrlichen Sport enttäuscht wurden.

Das ist definitiv nicht nett.

Ebenfalls vor kurzem wurde ein 57jähriger Mann aus Heiligenstadt wegen sexuellen Mißbrauchs von Kindern in acht Fällen verurteilt. Der Richter wies darauf hin, daß die Opfer noch lange Zeit unter den Folgen der Handlungen des Verurteilten zu leiden und auf psychiatrische Hilfe angewiesen werden sein werden. Drei Jahre gab es dafür.

Fünfeinhalb zu drei. Darf ich das merkwürdig finden?

05.06.2010: ja nee is klar

Soll ich wieder davon anfangen? Daß ich doch eigentlich eher links bin und so? Leute, Ihr macht es mir echt nicht einfach.

Nachdem sich uns aller Lieblingsvulkan offenbar einigermaßen beruhigt hat, würde ich doch nun, wenn ich für ein Luftfahrtunternehmen arbeitete, drei Erleichterungsseufzer ausstoßen und wieder an meine Arbeit gehen. Und hoffen, daß mein Arbeitgeber es irgendwie schafft, die Millionenverluste zu kompensieren, ohne meinen persönlichen Arbeitsplatz wegzurationalisieren.

Das Kabinenpersonal meiner Lieblingshaßfluglinie (wer mit dem Verein ab und zu fliegen muß, wird mich verstehen), sieht das offenbar anders

03.05.2010: Ihr kommt Euch wohl ganz toll vor, was?

Zunächst, und damit keine Mißverständnisse aufkommen: Ich hege keinerlei Sympathien für neo- oder sonstwie nazistisches Gedankengut. Ganz bestimmt nicht.

Andererseits ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden. (Ist nicht von mir, ist von Rosa Luxemburg.) Und solange die NPD nicht verboten ist, hat niemand das Recht, eigenmächtig deren Demonstrationen durch Sitzblockaden oder auf anderem außergesetzlichen Wege zu verhindern. Und sich damit zu brüsten und toll vorzukommen wie Sash oder Achim ist schon mal gar nicht angesagt.

Ja, ich finde die braune Sauce auch scheiße. Aber deswegen eigenmächtig die Grundrechte derer zu beschneiden, die nicht meiner Meinung sind, finde ich auch nicht besser. Das ist genau die Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Mentalität, die wir bei Schäuble & Co. zu recht bedenklich finden.

25.04.2010: alles Asche

Wer mir bei Twitter oder Facebook folgt, der weiß es ja schon: Die Vulkanaschewolke des Eyjafjallajökull hat auch mich in Großbritannien festgesetzt. Aus einer geplante Übernachtung sind neun geworden. Nun hatte ich es ja noch vergleichsweise gut, mit Zugriff auf genug Geld, um erst mal Transfers, ein Hotelzimmer, saubere Kleidung, Essen und Trinken zu bezahlen, sowie mit der Möglichkeit, mich dort, wo ich mich befand, frei zu bewegen. Außerdem kann ich ja fast alle Mehrkosten als Spesen bei meinem Arbeitgeber einreichen, schließlich war ich aus dienstlichen Gründen in Großbritannien und nicht aus Spaß. Wer ohne Geld im Transitbereich eines Flughafens festsitzt und diesen mangels Visum nicht verlassen kann, hat sicher weniger angenehme Tage verbracht als ich.

Was ich nun aber überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist die Aufregung, die jetzt gewissermaßen rückwirkend wegen der Anordnung der vollständigen Einstellung des Flugverkehrs entstanden ist. In Großbritannien kommt natürlich dazu, daß wegen der anstehenden Parlamentswahlen die Opposition bemüht ist, der Regierung bei jeder sich bietenden Gelegenheit an den Karren zu fahren. Niemand wußte genau, wie sich das Durchfliegen einer Vulkanaschewolke auf ein Verkehrsflugzeug auswirkt. Es war aus meiner Sicht – und ich sage das wie erwähnt als Betroffener dieser Maßnahme – absolut richtig, den Flugverkehr erst einmal sicherheitshalber einzustellen und parallel dazu damit zu beginnen, herauszufinden, ob man nicht vielleicht doch durch Vulkanasche fliegen kann. Schon nach wenigen Tagen gab es eine partielle Entwarnung, und seit dem läuft der Flugverkehr wieder, und ich kam ganz entspannt in einem vielleicht halb vollen Flugzeug wieder in Berlin an.

Was aber in den Köpfen gewisser Mitarbeiter gewisser Fährenbetreiber vorging, kann ich mir beim allerbesten Willen nicht erklären …

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