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buntklicker.de

das Blog von Martin Ibert: Merkwürdiges, Banales und Persönliches aus Deutschlands einziger Stadt

02.12.2010: Realität an Netzwelt: Chillt mal!

Wie viele von Euch sicher wissen, bin ich kein Anwalt (IANAL). Aber Udo Vetter ist einer, und er hat einen meiner Meinung nach lesenswerten Artikel über die Auswirkungen des JMStV verfaßt.

Natürlich hat der deutsche Bürokratieapparat wieder ein völlig unnötiges Monster geboren. Aber ich werde mir erst mal keine Gedanken machen, und sehe auch keinen Grund dafür.

Wer zum Jahresende sein Blog schließt, mag eine wohlbegründete Panik vor Folgekosten haben. Wer das schon vorher in vorauseilenden Gehorsam tut, ist meiner Meinung nur erbärmlich.

30.11.2010: Was ist denn daran wirklich so anders?

Wenn sich ein Informant widerrechtlich Daten über Kunden einer Bank beschafft, diese auf eine CD brennt und für ordentlich Zaster an deutsche Finanzbehörden verkauft (sich also selbst bereichert, hier sind eher keine altruistischen Motive im Spiel), dann freuen sich die Behörden wie Schnitzel und tun fix das Ihre, um die entwichenen Steuerschäfchen, und vor allem die hinterzogenen Steuern, wieder einzufangen. Außer den direkt Betroffenen regt sich auch kaum jemand auf, hier und da wird ein kritisches Wort laut, aber das war’s dann auch. Und nun hat auch das Bundesverfassungsgericht dem seinen Segen gegeben.

Nun kann man natürlich geteilter Meinung darüber sein, was Julian Assange bzw. WikiLeaks dazu motiviert, massenweise geheime Dokumente von US-Behörden zu veröffentlichen. Auch hier ist aber davon auszugehen, daß die Daten nicht auf rechtlich einwandfreiem Weg erlangt wurden. Und plötzlich ist die Aufregung groß, Hans-Peter Friedrich von der CSU vergleicht WikiLeaks sogar mit der Stasi. Das ist natürlich völliger Schwachsinn, denn wenn die Stasi irgendwas nicht gemacht hat, dann geheime Informationen zu veröffentlichen. Die, die es sozusagen direkter betrifft, erniedrigen sich erst selbst, indem sie um Gnade flehen, und wollen die Enthüllungsplattform dann am liebsten zur terroristischen Organisation erklären lassen.

Dabei ist die Ausgangslage eigentlich in beiden Fällen ähnlich. Jemand tut etwas, von dem er sicherlich weiß, daß es falsch ist, und hofft, daß es nicht herauskommt. Dann kommt es eben doch heraus. Und trotzdem sind die Reaktionen so unterschiedlich.

Nebenbei bemerkt: Wenn nicht einmal die US-Regierung in der Lage ist, ihre Daten unter Verschluß zu halten, wer soll es dann können? Leider werden auch die jüngsten Appelle gegen die ungebremste Datensammelwut sicher ungehört verhallen, aber sie sind absolut berechtigt: Daten, die nicht erhoben oder gespeichert werden, können auch nicht „herauslecken“.

25.10.2010: Ich bin ja mal gespannt.

Vor wenigen Tagen endete ja bekanntlich die Einspruchsfrist für die Erstveröffentlichung von Google Streetview. Viel ist in der jüngsten Vergangenheit dazu gesagt und geschrieben worden, leider das meiste davon kompletter Unsinn.

Bedauerlicherweise hat sich Google dazu entschlossen, Gebäude auch bei Widerspruch nur eines Bewohners unkenntlich zu machen. Da wir in einer Eigentümergemeinschaft wohnen, könnte ein einzelner Querschläger unser gesamtes Haus verpixeln lassen.

Es wird sicher spannend werden, wie sich der Markt entwickelt, aber eins ist für mich klar: Wenn ich mich für den Kauf einer Wohnung interessiere, und ich stelle fest, daß das Gebäude bei Google verpixelt ist, schaue ich mir direkt die nächste an. Ich vermute, daß Wohnungen in verpixelten Gebäuden quasi unverkäuflich sind.

Sollte irgend jemand unser Haus verpixelt haben lassen, hoffe ich, daß ich jeden Euro Wertverlust aus ihm rausklagen kann.

Übrigens sieht das Haus, in dem ich wohne, so aus.

25.10.2010: braune Scheiße im Anmarsch

Abgesehen von unserem Staatsoberhaupt, der sich ja entgegen meinen Erwartungen bei seinem Staatsbesuch in der Türkei (und auch sonst) recht gut macht, zumindest was seine Äußerungen zur Integrationsproblematik angeht, kriegt man im Moment einfach nur das kalte Kotzen, wenn man sich so ansieht, was für eine braune Scheiße durch unser Land schwappt.

Deutschland ist kein Einwanderungsland, sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Im Moment stimmt das sogar: Deutschland ist ein Auswanderungsland, es wandert mehr Menschen aus als ein – übrigens gilt das auch für Menschen mit türkischem Hintergrund. Das ist ein Alarmzeichen; wir müssen uns also um Einwanderer bemühen, um ein weiteres Schrumpfen der Bevölkerung zu verhindern. Außerdem sollte man sich darüber Gedanken machen, warum es so viele Menschen fort zieht aus Deutschland. Leider muß man wohl konstatieren, daß der Fachkräftemangel auch die Bundesregierung bereits fest im Griff hat.

Bundeskanzlerindarstellerin Angela Merkel erklärt Multikulti für absolut gescheitert. Was das für kompletter Unsinn ist, erkennt jeder, der sich in einer Stadt wie Berlin bewegt, ziemlich schnell: Multikulti allenthalben. Wenn ein Deutscher einen Döner ißt, ist das Multikulti. Wenn ein türkischer oder türkischstämmiger Unternehmer deutsche Mitarbeiter einstellt, ist das Multikulti. Wenn Culcha Candela spielen, ist das Multikulti. Familien, die aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund bestehen, sind Multikulti. Wenn Deutsche Bauchtanz lernen, ist das Multikulti. Es gibt so viel Multikulti, jeden Tag und überall. Unsere Gesellschaft ist ohne Menschen mit Migrationshintergrund auch kulturell nicht mehr vorstellbar. Wie blind muß man sein, um das nicht zu sehen?

Es macht sich ein Generalverdacht gegen Muslime breit, angeheizt durch undifferenzierte Scharfmacher aus den Reihen der Union. Dabei sollten wir uns in Erinnerung rufen, daß die an den Ereignissen des 11. September 2001 beteiligten Muslime überwiegend Opfer waren – unter den Opfern aus den Türmen des World Trade Center, den Passagieren und den Rettungskräften waren mehr Muslime als unter den Terroristen. Sofern man die Terroristen überhaupt als Muslime werten darf, was ja auch wohl sehr zweifelhaft ist, denn das Umbringen Unschuldiger ist zutiefst unislamisch.

Natürlich behauptet niemand ernsthaft, daß es keine Probleme mit Integration und Zusammenleben gibt. (Die gibt es übrigens auch mit Menschen ohne Migrationshintergrund, die die Integration in unsere Gesellschaft ablehnen.) Nur wird man die mit pauschalen Verurteilungen nicht lösen können, ganz im Gegenteil. Wer sich integrieren soll, muß sich erst einmal willkommen fühlen. Wen man von vorneherein ausgrenzt und unter Generalverdacht stellt, der zieht sich zurück und versucht, Kontakte zu vermeiden.

17.10.2010: Lichtblicke, wo man sie nicht vermutet

Ihr wißt, daß ich gerne und oft Hohn und Spott über die Mitglieder der Sauerstoffverbraucher- und Umweltaufheizervereinigung ausschütte, die sich derzeit „Bundesregierung“ nennen darf.

Aber manchmal gibt es Lichtblicke, wo man sie nicht vermuten würde. Sogar bei – zieht Euch das rein – Ursula von der Leyen! Sie setzt sich für den Zuzug qualifizierter Fachkräfte ein, egal von wo. Der Hammer! Ich bin begeistert! Es gibt also nicht nur tumbe Altnazis bei der Union.

Eine lobende Erwähnung möchte auch unserem Verteidigungsminister für seine Unterstützung für die AbschaffAussetzung der Wehrpflicht widmen, und unserem Bundespräsidenten Christian Wulff für die Erkenntnis, daß der Islam zu Deutschland gehört.

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