12.06.2008: Geisterstadt
Heute Abend zwischen sechs und acht: Berlin wie leergefegt, ausgestorben.
Punkt 18:00 Uhr leeren sich die U-Bahnen und die Straßen. Im Saturn-Markt im Märkischen Zentrum wändeweise Fernseher, die das Spiel Deutschland gegen Kroatien zeigen, sicher mehr als Menschen im ganzen Markt. Der Fernsehton dröhnt durch den Laden, man kann kaum ein Wort wechseln, so laut ist es. Geschockte Verkäufer (das erste Tor für Kroatien fällt, während wir gerade den Laden betreten) mögen sich kaum von den Bildschirmen lösen, um uns lästigen Kunden ein paar Fragen zu beantworten.
Auf dem Weg auf die andere Seite des Einkaufszentrums finden wir alle die Menschen dann doch: Sie sitzen im Café Blixen, essen, trinken und sehen fern. Kaum ein freies Plätzchen ist zu sehen vor den vier großen Bildschirmen. Drumrum stehen Passanten, essen und trinken nicht, sehen aber trotzdem fern.
Durch menschenleere Straßen fahren wir nach Hause. Der Schlußpfiff erreicht uns im Autoradio beim Einparken hinter dem Haus.
08.06.2008: Das Flaggenmeer ist zurück!
Wer gedacht hat, die Beflaggung von Autos und Balkonen sei nur ein Phänomen der Weltmeisterschaft im eigenen Land gewesen, sieht sich dieser Tage getäuscht.
Die Flaggendichte, die dieser Tage in Berlin zu sehen ist, dürfte kaum geringer sein als zur WM vor zwei Jahren.
Es ist, als wäre 2006 ein Knoten geplatzt, der es uns Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg verboten – oder zumindest verleidet – hat, uns gut dabei zu fühlen, Deutsche zu sein. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, sich das nicht mehr vermiesen zu lassen, ganz egal, wie viel historische Verantwortung auf „uns“ lastet.
08.06.2008: Ich guck Fußball im Internet.
Kleiner Tipp für alle, die nebenbei Fußball gucken wollen, aber deswegen keinen Fernseher mit sich rumschleppen möchten: Fußball gucken kann man auch im Internet.
Und zwar bei Zattoo, einem Dienst, der etliche Fernsehsender, darunter auch das erste und zweite deutsche Fernsehprogramm, kostenlos und (unaufdringlich) werbefinanziert quasi live auf einen proprietären Client liefert, den es immerhin für XP, Vista, MacOS und Linux gibt. Gelegentlich stocken Bild und Ton mal, für Hardcore–Fans ist das vielleicht nichts, aber für den Gelegenheitsgucker wie mich ist das völlig ausreichend. So verfolge ich das Spiel Kroation gegen Österreich in einem Fenster, während ich diesen Beitrag schreibe. Funktioniert ziemlich gut. Und ich sitze bei diesem Superbombenwetter auf dem Balkon und genieße die Abendsonne.
31.05.2008: kühl
Langsam wird es zu kalt, um in kurzen Hosen und T-Shirt auf dem Balkon zu sitzen. Na gut, es ist ja nun auch schon fast ein Uhr. Morgens, wohl gemerkt.
Ich habe heute gestern einen Home-Office-Tag eingelegt; einen Fragenkatalog beantworten kann ich dank moderner Technik auch hier auf dem Balkon, dafür muß ich nicht ins Büro fahren. Spart Fahrzeit, spart Energie, schont das Klima. Und was noch besser ist: Ich habe praktisch den kompletten Tag von morgens um neun bis abends um acht durchgängig auf dem Balkon verbracht – und wahrscheinlich viel mehr geschafft, als wäre ich ins Büro gefahren. Ich glaube, wenn ich mal wieder etwas zu tun habe, was meine Anwesenheit im Büro nicht erfordert, und das Wetter ist gut, werde ich das wiederholen. Das ist einer der Vorteile, die man hat, wenn man für meinen derzeitigen Arbeitgeber arbeitet: Home Office ist grundsätzlich kein Problem.
So ein Sommer ist echt was Geiles. Ich liebe gutes Wetter. Und unseren Nordbalkon mag ich auch. Ebenso mein Firmen-Notebook, das VPN, mein WLAN und meinen DSL-Anschluß.
29.05.2008: Da ist Schmalhans Küchenmeister!
Daß ich gerne Spargel esse, ist wahrscheinlich keine Überraschung für Euch. Daß ich öfter mal unterwegs bin, auch nicht. Und so ist es insgesamt auch nicht so erstaunlich, daß ich heute Mittag neugierig und hungrig auf die Wochenkarte des Biergartens der Lederer-Kulturbrauerei in Nürnberg blickte. Aber was mußte ich da sehen:
Stangenspargel (warm) (220 gr.)
mit Sauce Hollandaise und Petersilienkartoffeln € 9,20
Wie bitte? 220 Gramm sollen eine Portion sein? Wenn ich Spargel kaufe, dann nicht weniger als 600 Gramm pro Person, eher 650 Gramm (ungeschältes Rohgewicht – aber ich fürchte, das setzt der Lederer auch an). Und bei dem Lederer-Preis ist auch wirklich nur das Genannte inklusive; Fleischbeilage jeder Art kostet extra, von drei Nürnberger Bratwürsten für zwei Euro vierzig bis zum kleinen Schnitzel für vier Euro siebzig.
Und das für neun Euro zwanzig. Die lassen sich ihren Spargel da unten echt vergolden. Ich habe ihn bei meinen Tischgenossen gesehen; die Portion sah so kläglich aus, wie man sich das bei der Ansage „220 Gramm“ vorstellt. Dabei hat das Lokal auch preiswertes Essen am Start; ich habe den Vorspeisensalat für 3,50 € (der für eine Vorspeise wirklich gigantisch war) und das Schäuferle mit Kloß und Soß‘ für 8,80 € von der normalen Karte gegessen und war rundum zufrieden – lecker und reichlich.
Aber vielleicht laßt Ihr besser die Finger vom Spargel. Zumindest, wenn er 9,20 € für 220 Gramm kosten soll.
