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buntklicker.de

das Blog von Martin Ibert: Merkwürdiges, Banales und Persönliches aus Deutschlands einziger Stadt

08.12.2010: Hilfe! Fluglärm in Kleinmachnow!

Das traurig-komische Schmierentheater um die neuen Flugrouten am künftigen Großflughafen Schönefeld hat eine neue Wendung bekommen. Und mal wieder schaut man ungläubig auf das Berlin-Brandenburger Bonzengeschmeiß und ihre willfährigen Helfer.

Jahrzehntelang hat kein Hahn danach gekräht, daß die Anwohner am Kurt-Schumacher-Platz – nicht gerade die wohlhabendste Wohngegend Berlins – in geringer Höhe überflogen werden. Auch ich habe fünf Jahre lang in Radeland gewohnt, fast genau in westlicher Verlängerung der Start- und Landebahnen und etwa anderthalbmal von deren westlichem Ende entfernt wie sie lang sind. Ich kenne das Phänomen „Fluglärm“ also durchaus aus eigener Erfahrung. Das ist in sonst eine hübsche Gegend, aber immer noch nicht das bevorzugte Revier der Zielwählerschaft der Regierungsparteien.

Aber nun ist ja bekanntlich an die Öffentlichkeit gedrungen, was jahrelang (vielleicht absichtlich?) verschwiegen wurde: Um einen Großflughafen mit entsprechender Kapazität mit zwei parallelen Start- und Landebahnen zu betrieben, muß man zumindest zeitweise gleichzeitig auf beiden starten, und das wiederum macht es notwendig, nach dem Start abzuknicken, damit die beiden Flugzeuge baldmöglichst ausreichend Abstand zueinander haben. Und das bedeutet Fluglärm für Kleinmachnow und andere Kernwählergebiete. Geräuschkulisse für Großverdiener! Scheiße. Und jetzt?

Verkehrsminister Ramsauer hat die Lösung: keine Parallelstarts. Das könne man der Grundbesitzergemeinde schließlich nicht zumuten. Damit hätte der neue Flughafen Schönefeld allerdings weniger Kapazität als Berlin-Tegel und der jetzige Schönefelder Flughafen zusammen. Drehkreuz ade. Aber was tut man nicht für seine Klientel.

Ein Gutes könnte die Posse allerdings haben … wenn in Schönefeld die Kapazitäten nicht reichen, könnte man ja einfach Berlin-Tegel offen halten, und alles wäre gut. Alle innerdeutschen Flüge von Berlin-Tegel, nur Ausland von Schönefeld. Das würde passen.

Dazu hätte man aber Schönefeld sicher auch viel viel billiger ausbauen können. Und am Kutschi bleibt es laut. Aber das hat ja noch nie jemanden interessiert.

02.12.2010: Realität an Netzwelt: Chillt mal!

Wie viele von Euch sicher wissen, bin ich kein Anwalt (IANAL). Aber Udo Vetter ist einer, und er hat einen meiner Meinung nach lesenswerten Artikel über die Auswirkungen des JMStV verfaßt.

Natürlich hat der deutsche Bürokratieapparat wieder ein völlig unnötiges Monster geboren. Aber ich werde mir erst mal keine Gedanken machen, und sehe auch keinen Grund dafür.

Wer zum Jahresende sein Blog schließt, mag eine wohlbegründete Panik vor Folgekosten haben. Wer das schon vorher in vorauseilenden Gehorsam tut, ist meiner Meinung nur erbärmlich.

30.11.2010: Was ist denn daran wirklich so anders?

Wenn sich ein Informant widerrechtlich Daten über Kunden einer Bank beschafft, diese auf eine CD brennt und für ordentlich Zaster an deutsche Finanzbehörden verkauft (sich also selbst bereichert, hier sind eher keine altruistischen Motive im Spiel), dann freuen sich die Behörden wie Schnitzel und tun fix das Ihre, um die entwichenen Steuerschäfchen, und vor allem die hinterzogenen Steuern, wieder einzufangen. Außer den direkt Betroffenen regt sich auch kaum jemand auf, hier und da wird ein kritisches Wort laut, aber das war’s dann auch. Und nun hat auch das Bundesverfassungsgericht dem seinen Segen gegeben.

Nun kann man natürlich geteilter Meinung darüber sein, was Julian Assange bzw. WikiLeaks dazu motiviert, massenweise geheime Dokumente von US-Behörden zu veröffentlichen. Auch hier ist aber davon auszugehen, daß die Daten nicht auf rechtlich einwandfreiem Weg erlangt wurden. Und plötzlich ist die Aufregung groß, Hans-Peter Friedrich von der CSU vergleicht WikiLeaks sogar mit der Stasi. Das ist natürlich völliger Schwachsinn, denn wenn die Stasi irgendwas nicht gemacht hat, dann geheime Informationen zu veröffentlichen. Die, die es sozusagen direkter betrifft, erniedrigen sich erst selbst, indem sie um Gnade flehen, und wollen die Enthüllungsplattform dann am liebsten zur terroristischen Organisation erklären lassen.

Dabei ist die Ausgangslage eigentlich in beiden Fällen ähnlich. Jemand tut etwas, von dem er sicherlich weiß, daß es falsch ist, und hofft, daß es nicht herauskommt. Dann kommt es eben doch heraus. Und trotzdem sind die Reaktionen so unterschiedlich.

Nebenbei bemerkt: Wenn nicht einmal die US-Regierung in der Lage ist, ihre Daten unter Verschluß zu halten, wer soll es dann können? Leider werden auch die jüngsten Appelle gegen die ungebremste Datensammelwut sicher ungehört verhallen, aber sie sind absolut berechtigt: Daten, die nicht erhoben oder gespeichert werden, können auch nicht „herauslecken“.

25.10.2010: Ich bin ja mal gespannt.

Vor wenigen Tagen endete ja bekanntlich die Einspruchsfrist für die Erstveröffentlichung von Google Streetview. Viel ist in der jüngsten Vergangenheit dazu gesagt und geschrieben worden, leider das meiste davon kompletter Unsinn.

Bedauerlicherweise hat sich Google dazu entschlossen, Gebäude auch bei Widerspruch nur eines Bewohners unkenntlich zu machen. Da wir in einer Eigentümergemeinschaft wohnen, könnte ein einzelner Querschläger unser gesamtes Haus verpixeln lassen.

Es wird sicher spannend werden, wie sich der Markt entwickelt, aber eins ist für mich klar: Wenn ich mich für den Kauf einer Wohnung interessiere, und ich stelle fest, daß das Gebäude bei Google verpixelt ist, schaue ich mir direkt die nächste an. Ich vermute, daß Wohnungen in verpixelten Gebäuden quasi unverkäuflich sind.

Sollte irgend jemand unser Haus verpixelt haben lassen, hoffe ich, daß ich jeden Euro Wertverlust aus ihm rausklagen kann.

Übrigens sieht das Haus, in dem ich wohne, so aus.

25.10.2010: braune Scheiße im Anmarsch

Abgesehen von unserem Staatsoberhaupt, der sich ja entgegen meinen Erwartungen bei seinem Staatsbesuch in der Türkei (und auch sonst) recht gut macht, zumindest was seine Äußerungen zur Integrationsproblematik angeht, kriegt man im Moment einfach nur das kalte Kotzen, wenn man sich so ansieht, was für eine braune Scheiße durch unser Land schwappt.

Deutschland ist kein Einwanderungsland, sagt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Im Moment stimmt das sogar: Deutschland ist ein Auswanderungsland, es wandert mehr Menschen aus als ein – übrigens gilt das auch für Menschen mit türkischem Hintergrund. Das ist ein Alarmzeichen; wir müssen uns also um Einwanderer bemühen, um ein weiteres Schrumpfen der Bevölkerung zu verhindern. Außerdem sollte man sich darüber Gedanken machen, warum es so viele Menschen fort zieht aus Deutschland. Leider muß man wohl konstatieren, daß der Fachkräftemangel auch die Bundesregierung bereits fest im Griff hat.

Bundeskanzlerindarstellerin Angela Merkel erklärt Multikulti für absolut gescheitert. Was das für kompletter Unsinn ist, erkennt jeder, der sich in einer Stadt wie Berlin bewegt, ziemlich schnell: Multikulti allenthalben. Wenn ein Deutscher einen Döner ißt, ist das Multikulti. Wenn ein türkischer oder türkischstämmiger Unternehmer deutsche Mitarbeiter einstellt, ist das Multikulti. Wenn Culcha Candela spielen, ist das Multikulti. Familien, die aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund bestehen, sind Multikulti. Wenn Deutsche Bauchtanz lernen, ist das Multikulti. Es gibt so viel Multikulti, jeden Tag und überall. Unsere Gesellschaft ist ohne Menschen mit Migrationshintergrund auch kulturell nicht mehr vorstellbar. Wie blind muß man sein, um das nicht zu sehen?

Es macht sich ein Generalverdacht gegen Muslime breit, angeheizt durch undifferenzierte Scharfmacher aus den Reihen der Union. Dabei sollten wir uns in Erinnerung rufen, daß die an den Ereignissen des 11. September 2001 beteiligten Muslime überwiegend Opfer waren – unter den Opfern aus den Türmen des World Trade Center, den Passagieren und den Rettungskräften waren mehr Muslime als unter den Terroristen. Sofern man die Terroristen überhaupt als Muslime werten darf, was ja auch wohl sehr zweifelhaft ist, denn das Umbringen Unschuldiger ist zutiefst unislamisch.

Natürlich behauptet niemand ernsthaft, daß es keine Probleme mit Integration und Zusammenleben gibt. (Die gibt es übrigens auch mit Menschen ohne Migrationshintergrund, die die Integration in unsere Gesellschaft ablehnen.) Nur wird man die mit pauschalen Verurteilungen nicht lösen können, ganz im Gegenteil. Wer sich integrieren soll, muß sich erst einmal willkommen fühlen. Wen man von vorneherein ausgrenzt und unter Generalverdacht stellt, der zieht sich zurück und versucht, Kontakte zu vermeiden.

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